Was ist Hunnebrössel
Besucherzaehler

 

Auszug aus der Chronik von Dannefeld

 

Wenn alles grünte und blühte, wurde zu Pfingsten die Herrlichkeit des Jahres gefeiert. Der Maikerl zog durchs Dorf, aber erst am 2. Feiertag und schon so früh, daß der Gottesdienst nicht mehr gestört werden konnte. Das scheint der Einspruch der Kirche gegen den heidnischen Brauch erreicht zu haben.

Um 10 Uhr musste der Spuk von der Straße verschwunden sein. Darum brachten die Burschen schon die ganze Nacht auf dem Bütherschen Saal zu und bereiteten den Aufzug vor.

Ein Großer, Starker wurde zum Maikerl erwählt und ganz in grüne Birkenzweige eingebunden, dass er nicht mehr zu sehen war und auch selbst nichts sehen konnte. Darum musste er von zweien seiner Freunde geführt werden. Sie waren mit blauen Seidenschärpen geschmückt. Mit ihnen ging noch eine Schar, die trug Tafelkiepen umgehängt, um darin die milden Gaben einzusammeln, die ihnen an den Türen gespendet wurden: Kuchen, Eier, Würste und Geld.

 

Vor jeder Haustür drehten sie den Maikerl im Kreise herum und sangen dazu:

 

Moagn, Moagn Pingsten!

Wat gäm je us to Pingsten?

Stieg Eier, Schock Eier.

Bomm in de Höcht,

do Hagn de langen Wöst.

Gäft us de langn,

de koarten loat noch hangn!

Bet annert Johr üm düsse Tied,

denn sind de koarten ouk all riep!

A-men

 

Wer hätte sich diesen bescheidenen Wünschen verschließen wollen!

Außerdem war es nicht ratsam, denn es schien nicht ungefährlich zu sein. Bei dem Maikerl befand sich eine Schutzgarde, eine leichtfüßige Schar von schauerlichen Kobolds- und Teufelsgestalten, die sich in seiner Nähe herumtrieb, genannt:

 

die Hunnebrössel

 

Was mag der Name nur bedeuten?

Hunn, das kann mit den Hunnen, dem asiatischen Reitervolk, das im 4. Jahrhundert Europa verheerte und einen unauslöschlichen Eindruck im abendländischen Bewusstsein hinterließ, zusammenhängen.

Und „Brössels“, „brösslig“, „du siehst so brösslig aus“, das bedeutet so viel wie schmutzig, dreckig.

 

Und so sahen sie ja auch aus; dazu trugen sie auch noch die gräulichsten Masken, die aufzutreiben waren. Auf dem Kopf trugen sie hohe, spitze Mützen aus Pappe, die Hosen hatten sie umgekrempelt. Das Hemd hing lang darüber und war von einem Riemen umgürtet, an dem eine Klingel herumbimmelte, und auf dem Rücken hatten sie sich mit Stroh einen veritablen Buckel ausgestopft.

An den Füßen leichtbeschuht, so flitzten sie herum, hatten einen Prügel in den Händen und verdroschen jeden, der ihnen über den Weg lief. es war ein aufregendes Spiel, sich von ihnen jagen zu lassen. wir riefen ihnen irgend etwas Beleidigendes zu wie:

 

„Hunnebrössel – Kattenkössel“

 

und sausten dann in wilder Jagd davon. Über Hecken und Zäune, durch Gärten und Höfe, bis weit ins Feld hinaus ließen wir uns von ihnen treiben, während feierlich und gemessen der Maikerl seinen Gang durch das Dorf fortsetzte. doch wie die Glocken zum Kirchgang läuteten , war alles wieder hinter den Türen von Büthers Saal verschwunden. dort wurde geschmaust und vertrunken, was der Maiumgang eingebracht hatte.