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Hunnebrössel in Dannefeld

 

 

Moagn, Moagn Pingsten!/

Wat gäm je us to Pingsten:/ Stieg Eier, Schock Eier./

Bomm in de Höcht, /do hangn de langen Wöst./

Gäft us de langn, / de koarten loat noch hangn/

Bet annert Johr üm düsse Tied, / denn sind de koarten ouk all riep!

A-men

 

 

Seit mehr als 100 Jahren wird dieser Heischegesang (Bittgesang) gesungen.

Unbeschadet überstand ein alter Brauch, „Hunnebrössel“ genannt, mit kurzen Unterbrechungen der zwei Weltkriege. Nach wie vor wird der Brauch von der männlichen Jugend gepflegt.

Sicherlich hat sich in den Jahren einiges geändert, aber aus der anfänglichen Schnorrertour entwickelte sich der Brauch der Hunnebrössel in der heutigen Form in Dannefeld.

 

Mit dem Osterfest jeden Jahres laufen auch die Vorbereitungen für dieses große Spektakel. Alle die sich beteiligen wollen, kommen zur ersten Absprache am Ostersonntag.

Festgelegt wird bei diesem Treffen, wer Schult und Schöpp (Schult ist abgeleitet von Dorfschulze oder Bürgermeister und Schöpp ist die alte Bezeichnung für Schöffe im Niederdeutschen), das heißt die Hauptverantwortlichen am Pfingsten sein werden.

Weiterhin wird auf dieser ersten Zusammenkunft festgelegt, wer als Hunnebrössel sein Unwesen treiben darf und wer seine zwei Probejahre als Kiepen- bzw. Geldbüchsenträger antreten darf.

Schult oder Schöpp zu sein bedeutet für jeden Dannefelder eine große Ehre, besonders als Maikerl!

 

Die eigentlichen Aktivitäten beginnen am Freitag mit dem Aufhängen der aus Stroh und alten Sachen gefertigten Clowns in Menschengröße. Sie werden im ganzen Dorf verteilt und die beiden schönsten Clowns hängen in der Dorfmitte, in luftiger Höhe.

Ehemals gab es noch die freien Nacht, der Nacht vom Freitag zu Pfingstsamstag. Nach altem Brauch wurde so allerhand Schabernack getrieben.

 

 

Am Pfingstsamstag um 14 Uhr muss das Blumenkreuzt, welches der Maikerl tragen wird, gewickelt werden. Jeder bringt dazu einen Strauß mit und es werden Blumen im Dorf gesammelt, aber wenn es nicht reicht müssen die Kiepenträger und Junghunnebrössel noch mal los, das gehört zu ihren Pflichten.

Ab 18 Uhr ziehen alle aktiven mit Beilen, Messern und Stricken „bewaffnet“ in den Wald um Birkengrün für den Maikerl zu holen. Geführt werden sie von Schöpp und Schult. Während des Rückmarsches gegen 22 Uhr wird kräftig gesungen und wer nicht ordentlich marschiert bekommt von Schöpp oder Schult Schläge mit einem Krückstock.

 

Am Pfingstsonntag (das Treiben fand stets am Pfingstmontag statt, da viele am Dienstag wieder arbeiten mussten wurde es ab 2001 auf den Pfingstsonntag vorverlegt) beginnt mit dem Ankleiden des Maikerls um 5 Uhr der eigentliche Hunnebrössel – „spuk“, so dass dann der Umzug pünktlich um 7 Uhr losgehen kann.

Wer als Maikerl unter der etwa 50 Kg schweren Last aus Blumenkreuz und Birkenzweigen steckt ist ein Geheimnis. Der Maikerl symbolisiert den nicht mehr zu vertreibenden Frühling.

Geführt von Schöpp und Schult, die herrlich beschriftete rote bzw. blaue Schärpen tragen, geht es nun von Haus zu Haus. Vor jedem Haus ist dann der Heischegesang (Bittgesang) zu hören: „Moagn, Moagn Pingsten!/ Wat gäm je us to Pingsten-… „ alle verbeugen sich und die Kiepen füllen sich mit Eiern, Wurst und Speck. Auch die Geldbüchsen bekommen langsam einen vollen Bauch und so mancher Durchfahrende muss seinen Obolus entrichten.

Schutz erhält der Maikerl durch die Hunnebrössel, sie alle sind mit Haselnussruten ausgerüstet und können recht kräftig zuschlagen wenn ihm jemand zu nahe kommt.

Auch sonst sind die Hunnebrössel im ganzen Dorf unterwegs und tauchen unvermittelt auf um dann die Leute mit dem klappern ihrer Stöcke zu erschrecken und die ganz dreisten ein wenig zu jagen.

 

Gegen 10 Uhr ist der Heischegang durch das Dorf beendet und alle Beteiligten versammeln sich nun vor dem Festzelt zum Gruppenfoto.

Wer unter den Masken steckt stellt sich bei der anschließenden Demaskierung auf dem Festzelt raus, auch der Maikerl wird nun seine Last los und für alle aus der Anonymität geholt, er darf jetzt eine grüne Schärpe tragen. Früher waren es einfache Schärpen ohne Beschriftung, noch zu DDR- Zeiten wurden beschriftete Schärpen von einem Westdeutschen, Otto Voiges aus Leiferde bei Gifhorn, heimlich nach Dannefeld geschafft.

 

 

Gegen 11 Uhr ist dann großes Eierbackessen für alle Beteiligten auf dem Festzelt angesagt, hier werden auch die Strafen für Vergehen, wie z.B. das Zuspätkommen, ausgesprochen.

 

 

Um 14 Uhr bitten die Hunnebrössel zum Kindertanz und ab 20 Uhr zum großen Hunnebrösselball im brechend vollen Festzelt.

Zu einer vorher nicht bekannten Zeit marschieren rund 15 bis 20 Hunnebrössel ins Festzelt und setzten sich auf den Boden. Dann springen sie plötzlich auf, reißen Mädchen und junge Frauen von ihren Plätzen um mit ihnen eine wilden Tanz zu vollführen, dann gibt’s in Dannefeld keinen Halt mehr. Ganze 20 bis 30 Minuten dauert dieser Spuk, nach diesem Auftritt wird noch bis in den frühen Morgen getanzt und gefeiert.

 

Seit 2013 findet am Pfingstmontag ein Zeltgottesdienst statt welcher um 9 Uhr beginnt, hier kann jeder für seine wilden Eskapaden vom Wochenende Buße tun oder einfach nur Kraft schöpfen.

 

Nach dem Gottesdienst geht es mit dem Frühschoppen mit Blasmusik und Schlachteplatte weiter und dann ist Hunnebrössel wieder für ein Jahr Geschichte.